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Fotobericht von "Frieden geht!"

veröffentlicht am 07.06.2018 um 17:34:06

Mit der Aktion "Frieden geht!" wurde in den vergangenen zweieinhalb Wochen ein Staffelstab mit der Forderung eines Exportstopps für Rüstungsgüter  von Oberndorf am Neckar (Sitz des Waffenherstellers Heckler & Koch) über Kassel (Standort des Rüstungsunternehmens Kraus-Maffei Wegmann) in unsere Hauptstadt Berlin getragen. Der Staffelstab wurde dabei von Spaziergängern, Läufern und Radfahrern über 1100km weit getragen.
Nachdem der Staffelstab und damit unsere Forderungen am gestrigen Mittwoch, 6. Juni 2018 in Berlin an Abgeordnete des Haushalts- und des Wirtschaftsausschusses übergeben wurde, ist die Aktion "Frieden geht!" zu Ende gegangen.

Berichte, Bilder und auch ein Video des Hauptveranstalters findet man natürlich weiterhin unter www.frieden-geht.de, besonders hingewiesen sei auf folgende Inhalte:

Hier sei noch einmal die zurückgelegte Strecke dargestellt:

Bereits beim Ostermarsch in Kassel hatten wir für den Staffellauf geworben:

Nachdem ich selbst zunächst "nur" an dem Staffellauf per Fahrrad teilnehmen wollte und mich für die Radfahretappe von Hessisch-Lichtenau nach Bischhausen angemeldet hatte, um am Tag der Etappen von Fulda nach Kassel in unserer Region als Helfer zur Verfügung zu stehen, kam alles anders: Etwas mehr als eine Woche vor der Durchreise der Staffel durch Bad Hersfeld erreichte mich die Nachricht, dass noch Helfer für verschiedene Aufgaben im Begleitteam des Staffellaufs gesucht würden. Da ich ohnehin aus anderen gründen Urlaub beantragt hatte, entschloss ich mich kurzerhand nach einem Telefonat mit einem der Organisatoren dazu, fünf Tage lang mitzuradeln.
Von meinen Erlebnissen und Eindrücken als Begleitradler des Staffellaufs will ich hier nun berichten.

Ich packte mein Fahrrad also mit allem, was ich für fünf Tage benötigte und fuhr am Freitag, 25. Mai nach der Arbeit mit dem Zug nach Frankfurt, um dort spät am Abend mit dem Begleittross des Staffellaufs zusammenzutreffen.
Netterweise hatte das Priesterseminar St. Georgen in Frankfurt uns Quartiere zur Verfügung gestellt - wie sich herausstellen würde die komfortabelsten der ganzen Reise.

Tags darauf ging es dann gleich richtig los. Da ich mit dem Fahrrad unterwegs war und auch ein Navi bedienen kann, wurde ich gleich zu einem der Begleitradler der Staffel. Es hieß also, sich darauf zu konzentrieren, dass die Gruppe den richtigen Weg nimmt, zusammen bleibt und einigermaßen pünktlich ankommt - denn Pufferzeiten an den Staffel-Übergabeorten waren nicht geplant. 
In Frankfurt begleitete uns noch die Polizei, aber auch die hatte geplante Strecke nicht exakt im Kopf. Ab Hanau waren wir aber ganz auf uns gestellt. Ebenso wichtig ist natürlich auch die Versorgung der Sportler gewesen; jeder Begleitradler hatte den Fahrradkorb voll mit Getränken und Energieriegeln oder Bananen und für jede Etappe wurden mehrere Rendezvous mit dem begleitenden Kleinbus der DFG-VK organisiert - dieser war bis zum Dach mit Lebensmitteln gefüllt.

Nach ca. 12h im Sattel, brennender Sonne und über 100km kamen wir dann am Samstag Abend in Fulda an und wurden gebührend empfangen.

In Fulda fand ein Friedensfest mit mehreren Rednern und guter Musik statt. Aber auch auf den Zwischenpunkten wie z. B. in Gelnhausen waren Menschen gekommen, um die Sportler zu empfangen und die Läufer der nächsten Etappe auf die Strecke zu jubeln. 
Man konnte auch feststellen, dass immer wieder Kurzentschlossene zusätzlich zu den angemeldeten Sportlern zur Gruppe stießen. Das war für uns alle sehr erfreulich.

Am Sonntag, 27. Mai ging es dann auf den Weg nach Kassel. Es sollte der Tag mit der längsten Etappe werden. Dafür kannte ich natürlich die Strecke sehr genau.
Zur Fahrt von Kämmerzell bei Fulda nach Bad Hersfeld hatten sich auch einige Mitstreiter aus Bad Hersfeld mit dem Zug auf den Weg gemacht - unter anderem Sylvia Lanzendörfer sowie Birgit & Andreas Sichardt:


Zunächst gab es aber eine Spazierstrecke bis Kämmerzell, wo ein Friedensfrühstück und ein Gottesdienst stattfanden:

Weiter ging es dann mit den Fahrrädern entlang der Fulda nach Bad Hersfeld. Auch in Schlitz stießen noch einmal Radler zur Gruppe. 
Während wir unterwegs waren, wurde in Bad Hersfeld bereits fleißig der nächste Zwischenstopp vorbereitet; es sollte einen reichhaltig gedeckten Tisch für einen Brunch geben und auch eine Andacht wurde von Sabine Müller-Langsdorf abgehalten (auch einige der Läufer für die Strecke nach Ludwigsau waren schon anwesend):

Als wir mit der Radlergruppe in Bad Hersfeld ankamen, wurden wir von einer Gruppe von Menschen jubelnd empfangen. Diese Gruppe war größer als ich erwartet hatte und als ich es in anderen Städten am Vortag gesehen hatte. Das war ein schöner Erfolg für unsere Friedensinitiative in Bad Hersfeld.
Es gab Gelegenheit für alle Teilnehmer, Zuschauer und Organisatoren, sich ein wenig an unserem Friedens-Brunch zu stärken (hierfür nochmal recht herzlichen Dank an die Helfer und Kuchen-Bäckerinnen):

Auch die Organisatoren waren von unserem Zwischenstopp in Hersfeld angetan, was sich auf der offiziellen "Frieden geht!"-Internetseite zeigte:

Nach der Stärkung und mehreren Redebeiträgen unter anderem von Sylvia Lanzendörfer aus unserer Friedensinitiative (Friedensbotschaft) und von mir (Redebeitrag) konnte es weiter in Richtung Kassel gehen. Der Staffelstab wurde übergeben und die Läufergruppe (unter anderem mit Thomas Müller aus unserer Friedensinitiative) setzte sich in Bewegung nach Friedlos bzw. Mecklar:

Auf dem weg nach Kassel hatten wir einerseits viel Glück, weil das Gewitter über uns hinweg zog und sich im nächsten Tal entlud. Andererseits hatten aber unvorhergesehene Verzögerungen zur Folge, dass wir an der Fahrrad-Seilfähre Beiseförth schon eine Stunde Verspätung hatten. So musste der Halbmarathon von Wagenfurth nach Kassel bereits ohne Staffelstab starten und ich löste mich mit einem weiteren schnellen Teilnehmer an der Fahrrad-Seilfähre von der Radfahrergruppe. Wir gaben alles und teilten uns den Windschatten, um die Halbmarathon-Läufer vor dem letzten Anstieg nach Kassel hinein völlig erschöpft noch zu erreichen und den Staffelstab zu übergeben. So konnte der Halbmarathon fast pünktlich in Kassel zur dortigen Kundgebung eintreffen und den Staffelstab übergeben:

In Kassel musste dann erst einmal ein doppeltes Abendessen her...

Am Montag, 28. Mai führte der Weg über Hessisch-Lichtenau nach Eisenach. Wie so oft an der Strecke überraschte uns der Zuspruch der Menschen vor Ort. Und so wurden die Läufer im sonst so beschaulichen Helsa unter anderem von einer ganzen Horde Kinder lautstark begrüßt:

Im weiteren Verlauf kam es wieder wie so oft zu einer Zeitlücke im Ablauf, was sicherlich auch der ungewöhnlichen Hitze im Mai geschuldet war; es waren immer wieder ungeplante Trinkpausen nötig und auch die Leistungsfähigkeit ist natürlich insbesondere in der Mittagshitze reduziert. So kam es, dass erneut ein Fahrrad-Sprint nötig war, um den Staffelstab rechtzeitig nach Eisenach zu bringen. Diesmal begleiteten mich zwei Jungs der Radetappe, die noch Unmengen an Energie übrig hatten - wir erreichten die Spaziergänger-Gruppe spielend noch vor Eisenach, übergaben den Staffelstab und radelten dann zum wohlverdienten Eis am Markt in Eisenach:

Einige Zeit später kam dann auch die Spaziergängergruppe mit dem Staffelstab in Eisenach an. Die Abendveranstaltung auf dem Markt mit guter Musik und rede der Oberbürgermeisterin war ein voller Erfolg. Und die Junge Gemeinde lud uns anschließend zum Grillen ein. Vielen Dank dafür und auch für das Übernachtungsquartier!
In Eisenach stieß auch der folgende nützliche Schuh zu uns:

Der folgende Dienstag sollte der längste Tag im Sattel werden. bereits 14 Stunden waren geplant. Es ging frühs um 6 Uhr in Eisenach mit einem Halbmarathon los - auch das MDR-Fernsehen war vor Ort. Der Weg führte uns zunächst über Gotha nach Erfurt, wo unter anderem der Ministerpräsident Thüringens sprach. Zudem trafen die Friedensradler aus München auf unsere Staffel:

Vermutlich aufgrund der erbarmungslosen Hitze und der Streckenführung beinahe ohne Schatten auf der aus Erfurt heraus führenden Joggingstrecke von über 12km waren hier nicht alle angemeldeten Läufer am Start. Nur einen einzigen Läufer begleiteten wir mit zwei Begleitradlern (plus Fotoradler etc.). Es war jedoch gut so, denn der Begleitbus konnte wegen Bauarbeiten nicht an die Strecke kommen, sodass wir auf uns gestellt waren. Allein ich hatte ca. 7 Liter Flüssigkeit nur für den Läufer im Fahrradkorb, der Kollege sicher ähnlich viel. Und wir hatten bis zum nächsten Etappenort fast alles aufgebraucht - wobei wir nicht gespart und den tapferen Sportler auch häufig mit Wasser übergossen haben.
Während an vielen Etappen sehr viele Menschen teilnahmen, kam es doch hier auch auf den einen einzelnen Läufer an. Auch das sind Geschichten, die der Staffellauf geschrieben hat.

Am Abend des Tages kamen wir schließlich in Jena an. Die letzte Etappe von Lehnstedt - einem kleinen Dorf - nach Jena wurde von ca. 20 Sportlern bestritten und auch die Staffelübergabe in Lehnstedt war ein wahres Fest. Bei der Ankunft in Jena wurden wir dann von einer Samba-Gruppe ca. 300m vor dem Ziel in Empfang genommen und sie geleiteten uns lautstark bis zur Stadtkirche. Vielen Dank für dieses wunderbare Erlebnis an die Musiker!
An der Stadtkirche in Jena fand dann eine gut besuchte Kundgebung statt:

Nach Übernachtungen bei sehr netten Privatpersonen (vielen Dank!) ging es am Mittwoch weiter über Naumburg nach Halle. Hier ist besonders die freundliche Mithilfe der Polizei hervorzuheben. Sie kannten den Streckenverlauf ganz exakt und sperrten jede Querung einer Bundesstraße für uns. Auch vielen Dank dafür.
Nach mehreren Zwischenstopps unter anderem in Merseburg aber auch zuvor wie hier in Großkayna...
 .. kamen wir am Abend in Halle an, wo erneut eine Kundgebung stattfand:


Etwas außerhalb von Halle hatte uns die Kirchengemeinde ein Gemeindehaus zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Aufgrund des sehr warmen Wetters entschieden sich einige von uns aber für die Übernachtung auf der Wiese hinter dem Haus unter Sternen.

Für mich waren nun fünf erlebnisreiche Tage vorbei und der Staffellauf zog am Morgen des Donnerstags (Fronleichnam) ohne mich weiter. Plötzlich stand ich mit meinem Fahrrad am Startpunkt, es wurde von 10 bis 0 heruntergezählt und die Sportler machten sich auf den Weg in Richtung Wittenberg. Und ich - ich stand noch auf dem Platz mit den Organisatoren. Irgendwas schien schief gelaufen zu sein. 
Doch ich musste nach Hause, da ein Familienfest anstand. Doch auf der Zugfahrt nach Hause und auch in den folgenden Tagen war ich wehmütig. Und ich freute mich über die ein oder andere Zuschrift per E-Mail von den kennengelernten lieben Menschen, die mit im Begleitteam des Staffellaufs waren. Schön, dass der ein oder andere Kontakt zu bleiben scheint.
Immerhin war ich 580km weit mitgefahren und habe etwa die Hälfte der Strecke begleitet...

Natürlich war damit aber der Staffellauf noch lange nicht am Ziel. Unser Dr. Wolfgang Thon und seine Frau Monika hatten nicht nur in Bad Hersfeld für das gelingen des Friedens-Brunches gesorgt, sondern sie waren auch als moralische Stütze an den Abenden in Kassel und Eisenach vor Ort. Und sie begaben sich auch zum Finale des Staffellaufs am Samstag, 2. Juni nach Berlin.
Deshalb kann ich nun auch seine Eindrücke aus der Hauptstadt vor allem im Bild bringen.
Der Staffellauf mündete von Potsdam kommend in einen großen Demonstrationszug ein, der unter anderem an der Gedächtniskirche vorbei zog:

Der Demonstrationszug wiederum führte an den Waffenlobby-Standorten vorbei und endete am Paul-Löbe-Haus unweit des Bundestages. Es gab natürlich zahlreiche Redner wie Jürgen Grässlin und auch Musikbeiträge wie die "Lebenslaute":

Und natürlich wurde auch der Staffelstab ans Ziel gebracht und auf der Bühne von den Koordinatoren des Staffellaufs (Sarah Gräber & Max Weber) geöffnet, um die Resolution mit den Forderungen zu verlesen:

Unsere Forderungen:

  • Kein Export von Kriegswaffen und Rüstungsgütern an menschenrechtsverletzende und kriegführende Staaten 
  • Exportverbot von Kleinwaffen und Munition 
  • Keine staatlichen Hermesbürgschaften zur Absicherung von Rüstungsexporten 
  • Keine Lizenzvergaben zum Nachbau deutscher Kriegswaffen 
  • Die Umstellung von Rüstungs- auf zivile Produktion.

Am gestrigen Mittwoch, 6. Juni wurde nun die Resolution aus dem Staffelstab an Abgeordnete des Bundestages, die Mitglieder des Wirtschafts- bzw. Haushaltsausschusses sind, übergeben (Katharina Dröge von Bündnis 90/Grüne, Ulrich Freese aus der SPD, Alexander Ulrich von Die Linke und Gesine Lötzsch von Die Linke). Die Reaktion der Abgeordneten war positiv. Mehr öffentlicher Druck in Sachen Abrüstung wird gefordert, sodass wir uns gestärkt fühlen, mit unserer Arbeit weiter zu machen. Hoffen wir, dass die Politik uns hört und sich im Sinne einer Friedenspolitik ändern wird!

Hinweis: Die obigen Fotografien stammen von Dr. Wolfgang Thon, meiner Familie und den Begleit-Fotografen des Staffellaufs.


Lucas Sichardt

Themen: Sonstiges